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Industriekletterer

Die offizielle Bezeichnung für Industriekletterer (engl. tower climber) in Deutschland lautet Seilzugangstechniker. Häufig wird auch der Ausdruck Höhenarbeiter benutzt. Allerdings ist Industriekletterer bis heute kein offiziell anerkannter Beruf.

Die so genannten Seilgestützten Zugangstechniken (SZT) haben sich in den 1970er Jahren auf den britischen Bohrinseln in der Nordsee entwickelt. Später wurde die Industriekletterei auch in den USA viel eingesetzt, etwa bei Wartung und Reparatur von Strommasten und Brücken. Früher waren es hauptsächlich Ingenieure oder Bauarbeiter, die sich unter Anwendung von Abseil- und Klettertechniken aus dem alpinen Bergsport an diese gefährlichen Aufgaben wagten. Auch die US-amerikanischen Fensterputzer an den großen Hochhäusern fallen unter die Kategorie Industriekletterer. In den 1980er Jahren wurde das Industrieklettern in der damaligen DDR populär, da viele Plattenbauten sanierungsbedürftig geworden waren. Weil es zu wenig Gerüste oder Hebebühnen gab, wurden vermehrt Arbeiter eingesetzt, die sich vom Dach der Hochhäuser abseilten. Nach der deutschen Wiedervereinigung 1989 durften die Industriekletterer zunächst nicht mehr offiziell eingesetzt werden, da diese Form der Bauarbeit vom Arbeitsschutz nicht anerkannt war. Im Jahr 1995 wurde dann der Fach- und Interessenverband für seilgestützte Arbeitstechniken (FISAT) gegründet. In dem Verband haben sich Experten aus Industrie, Wirtschaft, Höhenrettung und Unfallversicherungsträgern zusammengeschlossen, um die Interessen der professionellen Industriekletterer zu vertreten. Allerdings versuchen die Berufsgenossenschaften bis heute, ein Verbot dieses Arbeitsverfahrens in Deutschland zu erwirken.

Industriekletterer: Riskanter Job

Industriekletterer werden an schwer zugänglichen Baustellen eingesetzt, wo die Errichtung eines Gerüstes oder der Einsatz eines Krans nicht möglich oder zu teuer sind. Ein weiterer Vorteil ist, dass beim Einsatz eines Seilzugangstechnikers der Straßenverkehr wesentlich weniger beeinträchtigt wird als bei der Verwendung eines Krans. Die Industriekletterei stellt eine kostengünstige und flexible Möglichkeit zur Problembehebung für Baustellenbetreiber, Wartungsfirmen u.a. dar. Höhenrettung und Bergrettungsdienste gehören nicht zum klassischen Einsatzgebiet der Industriekletterer. Die Tätigkeit als Höhenarbeiter ist gut bezahlt aber auch sehr riskant. Laut einer US-amerikanischen Studie starben im Jahr 2006 allein 18 Arbeiter aufgrund eines Absturzes von einem Funkmast. Im Gegensatz zu Sportkletterern müssen Industriekletterer immer mit einem zweiten, redundanten Seil gesichert sein. Eine gründliche Ausbildung am Seil sowie ein hervorragender Gesundheits- und Trainingszustand sind absolute Voraussetzung für einen Industriekletterer.