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Industrieklettern

Industrieklettern (engl. tower climbing) ist heute ein eigenständiger Arbeitsbereich, offiziell spricht man von Seilgestützten Zugangstechniken (SZT).

Professionelle Industriekletterer seilen sich dabei etwa von einem Funkturm, einem Hochhaus oder einer Brücke ab, um das Bauwerk zu inspizieren. Oft werden so auch kleine Reparaturarbeiten durchgeführt. Die angewandten Techniken haben sich aus den bergsportlichen Abseil- und Klettertechniken entwickelt. Industriekletterer, auch Höhenarbeiter genannt, werden an schwer zugänglichen Baustellen eingesetzt, wo die Errichtung eines Gerüstes oder der Einsatz eines Krans nicht möglich oder zu teuer sind. Ein weiterer Vorteil ist, dass beim Einsatz eines Höhenarbeiters der Straßenverkehr wesentlich weniger beeinträchtigt wird als bei der Verwendung eines Krans. Seilgestützte Arbeitsverfahrenstellen eine kostengünstige und flexible Möglichkeit zur Problembehebung für Baustellenbetreiber, Wartungsfirmen u.a. dar. Nicht zum Einsatzgebiet der Industriekletterer gehören Höhenrettung und Bergrettungsdienste.

Geschichte des Industriekletterns

Das Industrieklettern hat sich in den 1970er Jahren in Großbritannien entwickelt. Die ersten Höhenarbeiter waren Angestellte auf den britischen Bohrinseln in der Nordsee. Um die Infrastruktur der Bohrinseln zu errichten, zu warten und zu sanieren, nutzten die Arbeiter Klettertechniken aus dem Bergsport. Zunächst waren die Höhenarbeiter schlecht gesichert, später verlangte die Öl- und Gasindustrie nach einem zweiten Sicherungsseil und am Seil ausgebildeten Fachkräften. In den 1980er Jahren wurde diese Technik auch in der ehemaligen DDR eingesetzt. Aufgabe der deutschen Höhenarbeiter war in erster Linie die Reparatur maroder Plattenbauten. Da es zu wenig Gerüste oder Hebebühnen gab, wurden vermehrt Arbeiter eingesetzt, die sich vom Dach der Hochhäuser abseilten. Allerdings wurde die Industriekletterei nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1989 zunächst einmal gestoppt, da diese Form der Bauarbeit vom Arbeitsschutz nicht anerkannt war. Bis heute versuchen die Berufsgenossenschaften, ein Verbot dieses Arbeitsverfahrens in Deutschland zu erwirken. 1995 wurde der Fach- und Interessenverband für seilgestützte Arbeitstechniken (FISAT) gegründet. In dem Verband haben sich Experten aus Industrie, Wirtschaft, Höhenrettung und Unfallversicherungsträgern zusammengeschlossen, um die Interessen der professionellen Industriekletterer zu vertreten. Bis heute ist Seilzugangstechniker kein offiziell anerkannter Beruf.